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Dolomiten

Pages:16 Pages
Media type:Newspaper
Publication date:15.02.1972

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nach dem Überfall auf zwei Frauen in einem Wiener Altersheim festgenommen worden und hat inzwischen die Morde an fünf alten alleinstehenden Wiener Frauen und dem alten Mann gestanden. DieiefeteKodespieädeewd ROMAN DER SPIONAGE VON HANS HELLMUT KIRST COPYRIGHT BEI VERLAG KURT DESCH GmbH, MÜNCHEN 20 „Geht leider nicht“, sagte Sorge. „Ich erwarte den Ehemann der besagten Dame.“ Der Kaufmann lachte wieder. Und er hob sein Glas, um auf Sorges Wohl zu trinken. Der winkte automatisch kurz mit der gesunden Hand

und blickte da bei in den Spiegel. Sorge sah Ozaki kommen. Der kleine, gedrungene, stiernackige Japaner mit dem runden, bleichen Gesicht schien in Gedanken zu sein. Er achtete nicht auf die Anwesenden. Er ging, mit leichtge senktem Kopf, auf die Bar zu und ver langte, ehe er sie noch ganz erreicht hatte, eine Selter mit Kognak. Dann erst schien er Sorge zu bemer ken und zu erkennen. „Ah, Herr Sorge“, sagte er höflich und verbeugte sich leicht. „Wenn man Sie so sieht, könnte man meinen, Sie hätten gerade

den Krieg in Polen mitgemacht.“ „Ich beziehe meine Wunden auf an dern Kriegsschauplätzen“, sagte Sorge. „Und die haben die Eigenart, daß ich sie mir selbst aussuchen kann.“ Ozaki lächelte und erkundigte sich sodann danach, ob Sorge einen guten Arzt habe. Einen sehr guten, erwiderte Sorge. Und ob er bald völlig wiederher- gestellt sei? Eine Sache von Tagen, meinte Sorge. Ob es sich um einen deutschen Arzt handele? Natürlich! Er, Ozaki, kenne auch deutsche Ärzte, auch Geheimrat Krauß aus Berlin

. Ge heimrat Krauß, behauptete Sorge, sei ihm in Berlin öfter begegnet. Ein vor züglicher Arzt! Ein einzigartiger Mensch! Und Sorge wollte sagen: sie haben ihn inzwischen totgeschlagen; denn Krauß war Jude. „Setzen wir uns ein wenig?“ fragte Ozaki liebenswürdig. „Sie müssen mir noch etwas von Geheimrat Krauß er zählen.“ „Aber gerne“, sagte Sorge. „Das Herumstehen ist in diesem Zustand so wieso keine reine Wonne für mich.“ Der Kaufmann aus Frankfurt hatte sich gelangweilt abgewendet; ihn inter essierte

dieses Gespräch nicht. Der Bar mixer beschäftigte sich mit den Gläsern und polierte sie umständlich blank. Sorge, von Ozaki begleitet, humpelte zu einem leeren Ecktisch hin. Alle Vor sichtsmaßregeln waren einwandfrei ge wahrt worden — und bei Ozaki war das selbstverständlich: Das Treffen hatte einen durchaus zufälligen Charakter. Regel: Ozaki hinzukommend, eröffnet das Gespräch — Allgemeinpiätzc mit persönlichem Einschlag — Aufforde rung von Ozaki, dem Hinzugekomme nen, das jedermann belanglos erschei nende
15.02.1972
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Pages:28 Pages
Media type:Newspaper
Publication date:29.01.1972

Hits:Page 16
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BEI VERLAG KURT DESCH GmbH, MÜNCHEN 6 Branz drehte sich ab. Er lächelte nicht mehr. Er zog den Kopf vorsichtig ein und bestellte sich dann ein neues Ge tränk. Seine Stimme klang dabei ein. wenig unsicher; das beruhigte Sorge sehr. „Kommen Sie“, sagte Siebert und zog Sorge weg. „Setzen wir uns an irgend einen Tisch.“ Und er sagte dann: „Seien Sie doch vorsichtig, Sorge. Ihre Äuße rungen sind manchmal mehr als gewagt. Nun gut — so leicht werden Sie hier niemand treffen, der Ihnen solche Re densarten

übelnimmt. Aber warum müs. sen Sie ausgerechnet den deutschen Po lizeiattache damit beglücken?“ „Vielleicht wollte ich einmal sehen, wie er darauf reagiert“, erklärte Sorge überraschend friedlich. „Und jetzt wissen Sie es also!“ sagte Siebert. „Ihr Freund ist dieser Mann nicht.“ „Das würde ich mir auch verbeten haben!“ „Und wenn er jetzt zu Ihrem Feind wird?“ „Viel Feind — viel Ehrl* sagte Sorge und lachte dabei unbekümmert auf. Und er sah noch einmal zur Bar zurück und bemerkte, daß Branz ihm nachdenk

lich und prüfend nachsah. Verfluchter alter Polizeispitzel, dachte Sorge; aber ihm war nicht sonderlich wohl bei die sen Gedanken. Siebert 6teuerte mit Sorge auf den Tisch zu, an dem Martina Schwarz saß, umgeben von einem Rudel jener blutarmen Herdengeschöpfe, die man gemeinhin Verehrer nennt. „Ist es er laubt?“ fragte Siebert. Und ehe er noch eine zustimmende Antwort bekam, eigriff Sorge zwei zu fällig vorübergehend leere Stühle vom Nebentisch, ohne den sofort lebhaft ein setzenden Protest

euch nur durch eine winzige Geste zur Kenntnis zu nehmen. Er schob einen Stuhl rechts und den anderen links von Martina Schwarz, setzte sich und lud auch Siebert ein, Platz zu nehmen. „Sie also dnd Dr. Richard Sorge“, sagte Martina Schwarz neugierig. „Auch ich“, 6agte Sorge, „habe schon sehr viel von Ihnen gehört.“ „Angenehmes?“ „Zum Glück — nein“, sagte Sorge und winkte den Kellner herbei. Der schien sprungbereit darauf gewartet zu haben und spurtete, als nehme er an einer Weltmeisterschaftsentscheidung teil. „Whisky

“, sagte Sorge. „Vorläufig drei.“ „Drei Flaschen Whisky“, sagte der Kellner selbstverständlich, denn er kannte Sorge. Das Rudel Verehrer der Frau Schwarz war spürbar unruhig geworden. Die mit Vorsicht aufgeregte, da zweier Stühle beraubte Gesellschaft am Nebentisch ließ sich durch den aufmerksamen Ge schäftsführer beruhigen, der eigenhän dig zwei Ersatzsitzflächen anschleppte. Selbst Siebert, der ansonsten nur schwer zu erschüttern war, fühlte sich nicht sonderlich wohl. Sorge betrachtete
29.01.1972
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Pages:20 Pages
Media type:Newspaper
Publication date:11.02.1972

Hits:Page 2
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dem 16. Jahrhundert im Norden angesiedelt, um das Gewicht der Krone zu ver stärken. Wegen solcher Umfunktionierung des Glaubens in ein politisches Kampfmittel wirkt bis heute tiefsitzender Haß bei den Katholiken nach. Er läßt umgekehrt bei den Protestanten die Sorge vorherr schen, beim Lockern der Zügel auf eine für sie gefährliche Weise an Einfluß zu verlieren. Deshalb hatte auch die Mehr heit der Nordprovinz eine Selbstverwal tung (Homerule) ganz Irlands stets abge- lehnt und ihre eigenen Geschicke lieber

, Richard. Ich wollte heute nicht mehr ausgehen. Aber wenn du mich allein läßt, zwingst du mich dazu. Ich finde im .Imperial* je derzeit angenehme Gesellschaft. „Auch auf der Straße!“ sagte Sorge grob. „Deine Schuld, Richard. Soll ich ge hen? Oder bleibst du bei mir?“ „Du widerst mich an“, sagte Sorge. „Ich weiß — mir geht es mit dir ge nauso. Auch ich bin dir verfallen. Komm, überzeuge dich doch noch ein mal davon.“ „Ich kann dich einfach nicht mehr 6ehen.“ „Dann mach doch das Licht aus“, sagte

sie. Aber Richard Sorge hörte sie nicht mehr. Er stürzte hinaus, an einer auf geschreckten Bediensteten vorbei, und ging auf sein Motorrad zu, das am Zaun lehnte. Er trat wild auf das Anlasser pedal, und der Motor brüllte auf. Das Motorrad riß ihn, aufjaulend, vom Haus der Martina Schwarz weg und 6tieß ihn in das nächtliche Tokio. Er brauste durch die Straßen, und der Motor sang hell. Lampen flogen an ihm vorüber wie kurze Striche. Die Erde unter ihm und die Luft um ihn sangen ein rauhes Lied. Kleine

und Demut. Sorge packte Abscheu und Mitleid. Er griff in seine Tasche und warf ihr Geld zu. Dann trat er seinen Motor wieder an, warf das Rad herum und brauste auf das Ginza-Viertel zu. Hier schaltete er auf niedere Touren und ließ sich an den Restaurants, Cafés, Bars, Bierhallen, Dancings, Clubs und Stundenhotels vor beirollen. Mehr als eintausendvierhun dert Lokalitäten, die allein vom Vergnü gen lebten, gab es hier. Ein Gewoge von Lampen und Lichtern, ein Gewinsel von Musik und Menschenstimmen

. Und ein zäher Dunst aus Alkohol, Schweiß und Tabak. Sorge hielt vor der „Fledermaus“, schob sein Motorrad an die Hauswand und ging in die halbdunkle, verräu cherte, verdreckte Bar hinein wie in eine Höhle. Der Wirb, ein Deutscher, der ihn kannte — und welcher Wirt im Ginza-Viertel kannte Sorge nicht? —, ging freudig bewegt auf ihn zu. Wo Sorge weilte, erhöhte sich automatisch der Umsatz. Ein Sorge war immer will kommen, denn er bezahlte alles; nicht nur, was er trank, und er trank niemals wenig
11.02.1972
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Pages:24 Pages
Media type:Newspaper
Publication date:17.03.1972

Hits:Page 13
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als von einem zu stark be lasteten Reifen herzurühren. Der Un fallwagen war mit Spikes bereift. Anna Engl hatte sich auf der Fahrt nach Bruneck befunden, wo sie im Gasthof „Hirsch“ in der Stadtgasse als geschätzte Köchin arbeitete. Ihr Füh rerschein ist jüngsten Datums. Das Mädchen hinterläßt die Eltern und mehrere Geschwister. I Dieie^teKaäesfiieädee^icd ROMAN DER SPIONAGE VON HANS HELLMUT KIRST COPYRIGHT BEI VERLAG KURT DESCH GmbH, MÜNCHEN 47 Im Nebenraum des Saales, wo die Theke stand, stieß Sorge auf Sichert

, den Reiseschriftsteller aus Frankfurt, und war ehrlich erstaunt, ihn hier zu sehen. „Ich traue meinen Augen kaum“, sagte Sorge. „Ich bin sehr für Humor“, sagte Sie ben freundlich. Sorge setzte die beiden Sekretärinnen an einen Seitentisch, sagte ihnen, sie könnten sich bestellen, was sie wollten; er käme gleich zurück. Dann ging er wieder zu Sichert. „Sind Sie etwa auch Parteigenosse?* fragte Sorge. „Und wenn das so wäre?“ fragte der zurück. „Ich kenne Parteigenossen, die wegen Hochverrat hingerichtet worden

sind. Aber wenn Sie das beruhigt, lieber Sorge — ich bin lediglich in der Reichs- schrifttumskammer.“ „Und ob mich das beruhigt“, sagte Sorge und hielt nach dem Ober Aus schau. „Und wenn Sie genau wissen wollen, wie ich darüber denke: In meinen Augen sind Sie nicht würdig.“ „Sparen Sie sich Ihre Komplimente“, sagte Sieben lächelnd. „Wenn Sie schon den Drang in sich verspüren, höflich zu sein, dann heben Sie sieh diese Ge fühle lieber für diejenigen auf, die sie gebrauchen könnten.“ „Wer — zum Beispiel?“ „Branz

.“ „In diesem speziellen Punkt, scheint mir“, sagte Sorge spürbar unfreundlich, „entwickeln Sie ein wenig zuviel Humor. Sie wissen doch genau, daß der Mann für mich ein rotes Tuch ist.“ „Man schmeißt nicht nach einem ge tretenen Hund mit Steinen.“ Sorge horchte auf. „Hund stimmt", sagte er versöhnlich. „Aber wer hat ihn denn getreten?“ Siebert lächelte leicht amüsiert. „Das ist wohl so ziemlich das erste und ein zige Mal, wo ich ein wenig früher in formiert bin als Sie. Sie scheinen sich in den ietzten Wochen

ungewöhnlich stark ablenken zu lassen. Durch wen eigentlich? Immer noch Martina?“ Sorge überhörte so ziemlich alles, was Siebert sagte — bis auf eins. „Worüber sind Sie früher informiert als ich?“ „Wissen §ie wirklich nicht, Sorge, daß der Botschafter heute vormittag mit Branz Schlitten gefahren sein soll?“ „Wie sinnig — ausgerechnet heute. Und warum. Monsieur Siebert?“ „Der gute Branz tut mir leid“, sagte Siebert aufrichtig. „Offenbar ist irgend eine seiner Akten unkomplett.“ Sorge zog die Stirn kraus
17.03.1972
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Pages:28 Pages
Media type:Newspaper
Publication date:08.04.1972

Hits:Page 16
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schlicht. Sorge pumpte abermals Alkohol in Mengen in sich hinein. Dann sagte er: „Sie schreiben — das mag, weil Sie es sind, viel bedeuten. Ich aber tue mehr!* Siebert nickte schwer; mehrmals. Er schob die Zeitungen von sich. Er stellte keine Frage; und es schien, als halte er das für überflüssig. Er schloß die Au gen, als wolle ex es vermeiden, daß irgend jemand in sie hineinsah. „Dieser Cox*, sagte Sorge dann, „soll ein britischer Spion gewesen sein. Aber was wird er schon getan

- Auch der Omnibus Deutschland braust einem Abgrund entgegen. Und wann werden wir überfahren werden?* „Rechnen Sie jederzeit damit“, sagte Siebert ausdruckslos. „So können Sie wenigstens nicht überrascht werden.“ Sorge erhob sich schroff. „Kommen Sie mit?“ fragte er. „Ich gehe jetzt saufen." „Was erwarten Sie von mir, lieber Sorge?* „Ah!“ rief Sorge. „Wo werden Sie denn! Schließlich sind Sie ja auch schon besoffen genug — Sie berauschen sich an Ihrer Weltweishcit.“ Sorge verließ den ihm. betrübt und dennoch fast

ein wenig zärtlich nach lächelnden Siebert. Er schob den Ge schäftsführer kräftig zur Seite, der vor sorglich herbeigeeilt war, um ihn ab- zusohirmen. Sorge strebte dem Ginza- Viertel zu, um sich in der „Fledermaus* vollaufen zu lassen. Sorge eine Gasse, und seine Entschlos senheit nahm immer mehr zu. Sorge sah nur noch Branz. Und er sagte sich: Dir werde ich es austreiben, mich eindeutig mit Cox zu vergleichen) ittleu Doch bevor er das Lokal betrat, be obachtete er, mehr aus Gewohnheit

, denn aus Sicherheitsgründen, die Pas santen. Und da sah er, drüben auf der anderen Straßenseite, an einem Schau kasten stehend, seinen Freund Branz. Sorge ging über die Straße hinweg und ohne jede Rücksicht auf den Verkehr, auf Branz zu. Branz «faßte sofort, was ihm zu blühen schien; und er trat un verzüglich den Rückzug an. Aber damit gab sich Sorge nicht zufrieden. Er folgte ihm, und zwar mit überaus deutlich erkennbaren Absich ten. Branz ging, ohne nodi eine Sekunde zu zögern, von seinem geordneten Rück zug

in eine leicht überstürzte Flucht über. Die Hast, mit der das geschah, ließ keine Zielstrebigkeit aufkommen. Es gelang ihm nicht, Sorge abzuschütteln. Sorge rückte beschleunigt nach. Eini ge Passanten blieben verwundert stehen, wichen aber prompt aus, als sich Sorge ihnen näherte. Während Branz immer fort auf Hindernisse stieß und sichtlich nervös geworden war, bildete sich vor Er schritt aohtlos an den mattleuchten- den Reklameschriften vorüber, schlug eine Firmenfahne zur Seite, die ihm in das Gesiebt
08.04.1972
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Dolomiten

Pages:20 Pages
Media type:Newspaper
Publication date:20.04.1972

Hits:Page 2
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im Zusammenhang mit dem indisch pakistanischen Krieg zunickgetreten war. ^uid^uKaäcspieitdeeicd ROMAN DER SPIONAGE VON HANS HELLMUT KIRSJ COPYRIGHT BEI VERLAG KURT DESCH GmbH. MÜNCHEN 75 Der Botschafter, gereckt wie immer, löste sich von seinen Gesprächspartnern und schritt Sorge entgegen. Er streckte ihm die Rechte entgegen. „Da tind Sie ja, mein lieber Sorge!“ sagte er betont herzlich und brachte einen darart kräf tigen Händedruck an, daß Sorge beinahe vor Schmerz aufgeschrien hätte. Aber er überwand

diese Schwäche und ver zog sein Gesicht zu einer Grimasse. „Paulchen“, der Admiral, machte An stalten, Sorge an seine deutsche See mannsbrust zu drücken, aber der entzog sich ihm durch eine vorsichtige Bewe gung nach rückwärts. „Meine Damen und Herren“, rief „Paulchen* betrieb sam, „Sie erlauben mir, Ihnen vorzu stellen: Dr. rer. poL Richard Sorge, Korrespondent der „Frankfurter Zei tung", Herausgeber des „Deutschen Dienstes", Lebemann und Rennfahrer — auferstanden von den Toten!" Dann schlug er Sorge

in herzlich- rauher Seebärenart derartig heftig auf die Schulter, daß dem ein wilder, ste chender Schmerz durch das Kreuz fuhr. Es war Sorge, als verliere er das Gleich gewicht. Er taumelte ein wenig und griff instinktiv nach Elga, die ihn sofort stützte; „Sie haben etwas Schlagseite, verehr ter Doktor“, sagte „Paulchen“ unbeküm mert. „Ist das noch von Ihrer Krankheit oder schon wieder vom Alkohol?“ Und dabei lachte er, als sei ihm ein beson ders guter Witz gelungen. „Das kommt von Ihrem Anblick, Herr

Admiral“, sagte Sorge mit An strengung. Dann sah er sich suchend um und sagte: „leb vermisse ein liebes Ge sicht. Wo ist Branz?“ „Nicht mehr hier. Er verspürte kein Verlangen mehr danach, sioh noch län ger in Tokio aufzuhalten. Er hat sich unmittelbar, vom Krankenhaus zum Flug platz begeben.“ „Wie'mir das leid tut!“ rief Sorge. „Wie ich bedauere, daß ich ihm nicht persönlich Blumen zum Abschied über reichen konnte. Ich hätte sogar einen Zusammenbruch riskiert, nur um ihm nachwinken

zu können.“ Andere Gäste kamen auf ihn zu, um ihn zu begrüßen. .Er hielt ihnen allen, unter Schmerzen, stand. Auoh Frau Araki, die zierliche Japanerin, näherte sich; diese Dame mit den engeren Bindungen zu höheren Botschaftsbeam ten und den ausgezeichneten Verbindun gen zum japanischen Geheimdienst, wo bei das eine ein öffentliches Geheimnis in ganz Tokio, das andere in diesem Kreis nur Sorge allein mit näheren Ein zelheiten bekannt war. „Wir alle freuen uns“, sagte sie und hielt mit ihren kleinen, niedlichen Samt
20.04.1972
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Dolomiten

Pages:32 Pages
Media type:Newspaper
Publication date:15.04.1972

Hits:Page 19
Snippet:
auf; und er schien ehrlich belustigt zu sein, was Sorge sofort beruhigte. „Fast möchte ich sagen: es ist leider nicht so schlimm, wie es aussieht. Aber um Fräulein Mit- chiko von einer Riesenlast zu befreien, muß ich sagen: es ist wirklich nicht so schlimm. Ihre Visage sieht zur Zeit aus wie ein zusammengelaufener Vierfarben druck. Aber das legt sich schon in we nigen Tagen.“ „Wirklich?“ fragte Mitchiko angstvoll. „Bestimmt“, sägte der Arzt. „Haben Sie denn noch niemals, etwa hach einer Prügelei, ein paar

blutunterlaufene, blau geschlagene Augen gesehen? Die sehen grausig aus. Aber in fünf Tagen bleibt nichts mehr davon übrig. Genauso ist es hier.“ „Also her mit dem Spiegel!“ rief Sor- ge. Mitchiko trug einen Spiegel zögernd näher. Sie stellte ihn in einigen Metern Entfernung vor So ree auf. Als er unge duldig winkte, hielt sie ihn dich vor Sorge, und sie war bemüht, nicht zu zittern. .Sorge sprang eine .grellbunte, ver quollene, fratzenhaft grinsende Masse Fleisch entgegen. Er mußte sich zwin gen

, nicht zurückzuweichen. Mit Ener gie hielt er die Augen geöffnet. Er er kannte zwei genähte Gesichtswunden von etwa vier Zentimetern Länge; die eine befand sich über der Oberlippe, die andere zwischen den Augenbrauen. Der zum zerquälten Lächeln verzogene Mund entblößte einige Zahnlücken. „Na“, fragte,der Antt, „wie gefallen Sie sich?“ „Kolossal“,, sagte Sorge. „Ein Kinder schreck ist der letzte Dreck dagegen.“ „Wie gesagt: das bietet leider nicht so. ln einigen Wochen können Sie schon wieder so aussehen

, daß sich Hollywood um Sie reißt.“ „Hoffen wir das Schlimmste“, sagte Sorge. Der Arzt nickte ihm zu, verbeugte sich andeutungsweise vor Mitchiko und ging. Sorge ließ sich rückwärts in die Kis sen fallen und schloß die Augen. Mit chiko blieb hilflos neben ihm stehen. Der Mann im Bett atmete jetzt schwer. „Geh weg, Mitchiko“, sagte Sorge, ohne d>e Augen zu öffnen. „Geh weit weg. Komm in einem Monat wieder. Vielleicht kannst du mich dann ansehen, ohne zu schaudern.“ Sorge lag wie leblos da und wartete darauf

. „Mitchiko“, sagte er. Und dann schwiegen sie lange. Am Nachmittag erschien Siebert. Er setzte sich zu Sorge auf das Bett und sah ihn lange an. Dann sagte er: „Er staunlich, daß Sie noch leben.“ „Wir staunen beide“, sagte Sorge. Siebert beugte sich wie ein Arzt prü fend über ihn. „Ihre Zähne eitern“, sagte er sachlich. „Ich bekomme auch ein neues Ge biß“, erklärte Sorge und gab sich ehr lich Mühe, das scherzend zu sagen. „Neue • Haut, neue Haare, neue Kno chen, neue Zähne. Ich bin auf dem be sten Wege
15.04.1972
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Pages:16 Pages
Media type:Newspaper
Publication date:09.05.1972

Hits:Page 6
Snippet:
und-Familie Rösch 5000 Lire. ! Als Beitraf m einer wärdlfen Gedenkstätte für Karl Felix und Richard Wolff: Von Mtldl _ Gabloner 5000 Lire; von Lieske 2000 Lire. Für. das SQdtlroter Kinderdort: Von Unge nannt 5000 Lire; in liebem Gedenken an Frau Maria. Pia Merler Wwe. Gerber von Familie Vicentini 10.000 Lire. KALTERN - Goldgasse 31 Tel. 53-2-28 fyutdjkKadespidtdec^Löd ROMAN DER SPIONAGE VON HANS HELLMUT KIRST COPYRIGHT BEI VERLAG KURT DESCH GmbH. MÖNCHEN b8 Richard Sorge betrat das „Rheingpld

“ und steuerte auf das private Hinterzim mer zu. Es gab in diesem Lokal, das Wert darauf legte, daß sich die Gäste in ihm wohlfühlten, abgetrennte Ni schen, mehrere Nebenräume, ein soge nanntes Hinterzimmer und das private - Hinterzimmer. Wenn Sorge „in Ruhe essen* wollte, sorgte Papa Ketel eisern dafür, daß sein Lieblingsgast nicht ge stört wurde. . Papa Ketel hatte Sorge heimlich in Verdacht, der sei ein ganz gerissener Geschäftsmann. Denn nur wer gut ver diente, konnte viel saufen

. Daß man als Korrespondent diverser Zeitungen und Nachrichtenbüros, ganz brauchbare Summen einzustecken in der Lage war, immer vorausgesetzt, daß man nicht faulenzte, das vermochte Papa Ketel nur schwer zu begreifen. Auch dann wollte er das noch immer nicht so recht glauben, als ihm Sorge, um weitere Spe kulationen zu vermeiden, seine monat lichen Honorarabrechnungen zeigte. Jedenfalls war Papa Ketel, der den guten Doktor tief in sein Herz geschlos sen hatte, immer bereit, alles für Sorge zu tun, was der wünschte

. Bevorzugte Sorge eine bestimmte Sorte Whisky — gerade jetzt war Label an der-Reihe —, dann setzte Papa Ketel sämtliche Impor teure in Bewegung, um sein Lager ent sprechend aufzufüllen. Hätte Sorge den Wunsch ausgesprochen, sich an einer Hawaii-Kapelle ergötzen zu wollen, Ke tel wäre es gelungen, auch diu aufzu treiben. Verlangte Sorge im privaten Hinterzimmer zu speisen, dann wurde das selbstverständlich für ihn frei ge macht. ■ _ ' Ozaki wartete bereits. Er erhob sich, als Sorge eintrat, verbeugte

sich zeremo niell. Dann streckte er seine Hand aus. „^s ist sehr selten geworden, daß wir uns m.dieser Form treffen“, sagte er. „Dieses Lòkal", sagte Sorge, „ist der unauffälligste und sicherste' Treffpunkt. Wennich vermeiden will, daß sich. das ändert,'. darf ich nur spärlichen Ge brauch, davon machen. Nur -bei Bespre chungen von - besonderer Wichtigkeit, wenn -wir-rivirldlch -Zeit brauchen-und uns völlig unbehindert fühlen wollen, nur dann treffe ieh mich mit Ihnen hier,“ „Und was, glauben Sie, Herr
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Pages:16 Pages
Media type:Newspaper
Publication date:15.03.1972

Hits:Page 2
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. ì)uldjUKatU$ftieltdecÌód ROMAN DER SPIONAGE VON HANS HELLMUT KIRST COPYRIGHT BEI VERLAG KURT DESCH GmbH. MÜNCHEN 45 „Da werden Sie lange warten kön nen“, sagte Sorge. „Der Botschafter be dauert. Er lauert auf einen wichtigen Funkspruch.“ „In der Tat bedauerlich“, sagte der Ortsgruppenleiter sichtlich niederge schlagen. Er hatte mit dem Erscheinen des Botschafters gerechnet; der machte immer, und bei solchen Gelegenheiten besonders, eine gute Figur. Er war eine Zierde für jede Feierlichkeit

. Daß der Botschafter tatsächlich nicht kommen würde, wenn Dr. Sorge das sagte, hielt der Ortsgruppenleiter für selbstverständ lich. Er besaß keine sonderlich ausge prägte Phantasie, um zu ahnen, daß sich Sorge diese Nachricht unbekümmert ausgedacht hatte. „Dann fangen wir also an“, sagte der Ortsgruppenleitcr laut, worauf die An wesenden begannen, ihre Plätze einzu- nehraen. „Ich an Ihrer Stelle", riet ihm Sorge prompt, „würde sicherheitshalber noch einmal mit der Botschaft telephonieren. Vieleicht ist inzwischen

der Funkspruch eingetroffen, und der Botschafter befin det sich bereits auf dem Wege hierher." „Dann warten wir also noch!“ rief der Ortsgruppenleiter in den Saal, wor auf sich Teile der Anwesenden wieder erhoben, sich erneut zusammenstellten und weiter miteinander plauderten. Sorge schob sich zwischen eine •Gruppe Kaufleute. „Na“, rief er. „wie geht es unseren Pfeffersäcken!“ Die Kaufleute, zumeist Generalvertre ter von Industriekonzernen, die fleißigen Lieferanten, die erfolgreichen In- und Exporteure

was zum Lachen gehabt.“ „Das hätte auch nicht viel geholfen“, sagte Sorge. „Für jeden Parteigenossen kommt einmal die Stunde, wo er nichts mehr zu lachen haben wird.“ Auch das wurde, wie alles, was von Sorge kam, ohne weiters für einen Witz gehalten. Die Kaufleute amüsierten sich gut. Und Seidenaufkäufer Pfriemei, den Sorge mit überdeutlicher Aussprache stets „Prieml“ nannte, glaubte ausdrück lich erklären zu müssen, was die meisten der Anwesenden bereits wußten. „Im Emst, meine Herren“, sagte er, „Sorge

sollte tatsächlich Ortsgruppenleiter von Tokio werden. 1937, wenn ich nicht irre.“ „Stimmt genau“, sagte Sorge. „Aber ich habe den Burschen vorgeschlagen, die Parteiabende in die .Fledermaus’ zu verlegen. Und da wollten sie doch nicht mitmachen.“ Der Kreis um Sorge bedauerte die Tatsache lebhaft und ganz aufrichtig. Einige entsannen sich noch gut der be liebten Schulungsvorträge des Parteige nossen Dr. Richard Sorge aus dem Jahre 1935. Sie waren geradezu zum gesellschaftlichen Ereignis für Tokio ge worden
15.03.1972
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Pages:20 Pages
Media type:Newspaper
Publication date:28.01.1972

Hits:Page 18
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und in den USA verheiratet ist, auch alle Bekannten noch viele gesunde, geruhsame Jahre! fyteieÌ$UKcufó$fik$tdec^[ód ROMAN DER SPIONAGE VON HANS HELLMUT KIRSJ COPYRIGHT BEI VERLAG KURT DESCH GmbH. MÜNCHEN 5 Richard Sorge legte sich ein kühn- rabiates .Mittelstürmergesicht zu; und es war, als sei er fest entschlossen, mög lichst bald ein unaufhaltbares Tor zu schießen. Er hatte einen erfreulich schlechten Ruf in Tokio; und der ver pflichtete. Er galt als Außenseiter, als Rauhbein, als Radaubruder

; er war ein Kuriosum. Empfindsame Gemüter, von denen es nicht allzu viele in Tokio gab. schauderten, wenn sie ihn nur sahen; aber alle nahmen ihn hin und hatten sich an ihn gewöhnt. Der Geschäftsführer hatte inzwischen zu seiner Erleichterung festgestellt, daß Dr. Richard Sorge, der anerkannt best informierte Ausländskorrespondent in Tokio, der in allen Ecken Saufkumpane besaß, heute nur, wenn überhaupt, leicht angetrunken war. Somit war also die Gefahr eines neuen Skandals nicht sofort gegeben. „Ich erlaube

mir zu bemerken“, sagte der Geschäftsführer verbindlich und diskret flüsternd, „daß heute Frau Schwarz anwesend ist. Frau Martina Schwarz.“ „Wenn Sie Blau hieße, wäre sie mir im Augenblick bedeutend lieber“, sagte Sorge. Und der Geschäftsführer beeilte sich, diesen Scherz mit dezentem Ge lächter zu quittieren, das sofort erstarb, als ihn Sorge kalt ansah. Sorge betrachtete die Anwesenden ungeniert, so als besichtige er Ausstel lungsstücke. Die geräumige Halle des „Imperial“ war der anerkannte Prome nadeplatz

für die bessere Gesellschaft Tokios. Diese sogenannte bessere Ge sellschaft bestand aus Geschäftsleuten, Diplomaten und Journalisten, aus Aus ländem und Japanern, aus Männlein und Weiblein, aus Faschisten, Demo kraten und Ewig-Neutralen. Eigentlich nur eins war allen gemeinsam: sie konn ten sich die Preise des „Imperial“ leisten. Sorge steuerte quer durch die große Halle auf die Bar zu. Noch unterwegs hob er zwei Finger der rechten Hand; der Mixer verstand sofort und bereitete einen doppelten Whisky, pur

, vor. Sorge schob sich zwei Stühle aus dem Weg; und die darauf saßen, beeilten sich, ihm schweigend auszuweichen. An der Bar angekommen, griff er nach seinem dop pelten Whisky und trank ihn auf einen Zug leer. Der Mixer füllte sofort nach. Sieben, ein Schriftsteller aus Frank furt. der vorübergehend in Japan weilte, um hier eins seiner beliebten und vielge kauften Reisebücher zu schreiben, kam auf Sorge zu. Der Schriftsteller schätzte den Journalisten nicht nur als uner schöpfliche Nachrichtenquelle
28.01.1972
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